Vorschularbeit


Was macht ihr besonderes mit den Kindern im letzten Kindergartenjahr?

Wir möchten hier gerne zunächst aus dem Heft „Unsere Kinder“ der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (Juni 2008) zitieren, in dem es heißt:
„ Einem Kind vor Schuleintritt Kenntnisse wie Lesen, Schreiben und Rechnen „einzutrichtern“, die es in der Schule ohnehin und sicher mit ganz anderen Methoden lernen wird, ist unnötig und sogar wenig hilfreich. Viel wichtiger sind Kompetenzen, die ihrem Kind helfen, sich in der Schule wohlzufühlen und vom Unterricht zu profitieren. Hierzu gehören vor allem Selbstbewusstsein und ein positives Selbstbild ihres Kindes. Aber auch Motivation, Experimentierfreude, Neugier und Anstrengungsbereitschaft sind Eigenschaften, die ihrem Kind helfen, Freude an der Schule zu haben."
Somit sind die gesamten Lebensjahre des Kindes vor Schuleintritt (und somit auch die ganze Kindergartenzeit) als Vorbereitung auf die Schule zu sehen. Denn Schulvorbereitung ist Lebensvorbereitung und kein Einschulungstraining und bezieht sich auf alle Entwicklungsdimensionen der kindlichen Persönlichkeit.


Lernen die Kinder bei ihrer Vorschularbeit still zu sitzen?

Die Sache mit dem Stillsitzen möchten wir kontrovers und kritisch betrachten: Gerade weil die Kinder in unserem Schulsystem schon sehr viel sitzen, ist es umso wichtiger, dass sie in ihrer Kindergartenzeit noch vielfältige Gelegenheiten haben, sich zu bewegen. Ist die Unruhe vieler Kinder vielleicht nicht eher darauf zurückzuführen, dass sie eben viel zu wenig Möglichkeiten hatten, sich als bewegtes, bewegliches Wesen zu erleben?
Denn man muss wissen, dass die Hauptentwicklungsaufgabe in den ersten 7 Lebensjahren eines jeden Kindes hauptsächlich darin liegt, seinen Körper zu ergreifen – sich seiner „selbst – bewußt“ zu werden, körpereigene Kräfte zu steuern und zu kontrollieren. Auch wissenschaftliche Studien aus der Hirnforschung sind schon seit längerer Zeit ganz eindeutig: Das kognitive Lernen funktioniert um ein vielfaches besser in Bewegung. Die Vernetzung im Gehirn ist deutlich schneller und intensiver.
(Nachzulesen bei Gerald Hüther oder auch Professor Dr. Peter Struck)


Kinder müssen aber doch lernen, sich auf eine Sache zu konzentrieren!?

Wenn ihr ein Kind beobachtet, wie es sich in sein Spiel versenkt, wie es sich ganz und gar seinem Tun mit Leib und Seele hingeben kann und seine Umwelt gar nicht mehr wahrnimmt, dann sollte dies uns Erwachsene ehrfürchtig staunen lassen. Denn solch eine Hingabe ist die pure Konzentration auf eine Sache. Das Kind muss daher nicht lernen sich zu konzentrieren, das kann es ganz von alleine! Vielfach ist es jedoch so, dass unsere Kinder sich auf Dinge konzentrieren sollen, die sich außerhalb ihres Interesses befinden. Denn die Kinder bemerken oft instinktiv, dass die Lerninhalte, die wir Erwachsenen von außen an sie herantragen, nicht relevant für ihren gerade anstehenden Entwicklungsschritt sind. Sie scheinen desinteressiert, unkonzentriert, weil sie ihre Kräfte gerade für etwas anderes benötigen. Haben wir doch Vertrauen in unsere Kinder, denn sie tragen alles in sich, was sie für eine gute, gesunde Entwicklung brauchen!